Unter dem Namen Deutsche Jugendherbergen, Zweigausschuss Sachsen, Dresden wurde am 4. Oktober 1919 der sächsische Jugendherbergsverband gegründet und unter Nummer 483 in das Vereinsregister eingetragen. Erster Vorsitzender war der Pfarrer Friedrich Hermann Löscher aus Zwönitz. Er begleitete dieses Amt bis zum Mai 1924.

Die Jugendherbergsidee, die in Deutschland ihren Ausgangspunkt hatte und sich in historisch kurzer Zeit weltweit etablierte, hatte damit auch in Sachsen ihre organisatorische Struktur gefunden. Bereits in den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts gelang es, in Sachsen die Idee materiell durch die Inbetriebnahme einer Vielzahl von Jugendherbergen zu stärken. Frauenstein, Sayda, Neudorf, Klingenthal-Aschberg, Johanngeorgenstadt, Bad Schandau, Bad Lausick oder Bautzen sind Jugendherbergs-Standorte, die noch heute einen wichtigen Teil des sächsischen Herberbsnetzes ausmachen. Der sächsische Verband gehörte vor dem 2. Weltkrieg zu den größten und einflussreichsten in Deutschland, sowohl von der Anzahl der Häuser als auch hinsichtlich der Zahl seiner Mitglieder.

Die rasante Entwicklung des Zweigvereins Sachsen als wichtiger Teil des Reichsverbandes Deutscher Jugendherbergen fand wie anderswo auch mit der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten ihr jähes Ende. Trauriger Höhepunkt war dann seine erzwungene Selbstauflösung am 01.September 1941. Die Jugendherbergen und alle Werte wurden dem nationalsozialistischen Staat zugeordnet. Während im Westen Deutschlands nach dem 2. Weltkrieg relativ schnell der Wiederaufbau der Jugendherbergs-Verbände vorangetrieben wurde, blieben die Herbergen in der sowjetischen Besatzungszone und später in der DDR in staatlicher Verwaltung. Die Bemühungen um Wiedergründung auch des sächsischen Verbandes blieben trotz Fürsprache der Gründungsväter des DJH, Schirrmann und Münker erfolglos.

Trotz permanenter politischer Beeinflussung der Jugendherbergs-Idee durch den Staat, ist es allerdings auch in der Ära des geteilten Deutschlands auf dem Territorium der damaligen DDR gelungen, die existierenden Herbergen zu erhalten bzw. durch neue Standorte zu ergänzen. Auch in jener Zeit hat es also die Ideologie nicht grundsätzlich vermocht, die Jugendherbergsidee völlig politischen und propagandistischen Zielen zu unterwerfen. Mit der Überwindung der deutschen Teilung 1989 war es dann endlich wieder soweit: Nach fast 50 Jahren staatlicher Verwaltung, konnte sich am 11. April 1990 der Landesverband Sachsen in Dresden als einer der ersten Verbände überhaupt wiedergründen. Die neue Satzung wurde unter der Nummer 18 in das Vereinsregister beim Amtsgericht Chemnitz eingetragen. Bereits 1991 wurde der Betrieb in entscheidendem Maße durch den sächsischen Jugendherbergsverband getragen. Zeitweise waren es mehr als 50 Jugendherbergen, deren Betrieb in Verantwortung des Landesverbandes sichergestellt wurde.

Der Mitgliederbestand entwickelte sich rasant, heute hat der Landesverband mehr als 50.000 Mitglieder. In 1999 wurde dank zahlreicher Veranstaltungen anlässlich des 80-jährigen Bestehens, der Landesverband in starkem Maße in das Licht der Öffentlichkeit gerückt. In der Zwischenzeit nähern wir uns mit Riesenschritten dem nächsten Jubiläum - 90 Jahre Jugendherbergen in Sachsen im Jahre 2009. Der Landesverband hat sich weiterentwickelt und in der bundesdeutschen Jugendherbergsfamilie etabliert. Er ist ein anerkannter Bestandteil des DJH und ein verlässlicher Partner auf dem Weg einer zukunftorientierten Verbandspolitik. Dies sollte in umfassender Art und Weise vor allem durch eine Fokussierung der Öffentlichkeit, des Staates und der Gesellschaft auf die Jugendherbergen in Sachsen in Verbindung mit dem 90-jährigen Verbandsjubiläum vermittelt werden. Ebenso wichtig ist die Integration in die Verbandsaktivitäten des DJH anlässlich seines 100-jährigen Bestehens. Die Untersetzung der Bundesverbandsvorhaben in Verbindung mit der sächsischen Identität, darin sollte das Credo in Vorbereitung auf das Jubiläumsjahr 2009 liegen.

 

100 Jahre Jugendherbergen

Im Sommer 1909 veranstaltete der an der Nette-Schule im sauerländischen Altena tätige Lehrer Richard Schirrmann eine achttägige Wanderfahrt von Altena nach Aachen. In der ersten Nacht war die Gruppe in einer Scheune untergekommen, wo ein freundlicher Bauer sie mit Decken versorgt und Pflaumen und frische Milch gespendet hatte. In der zweiten Nacht erreichten sie das Bröltal, wo sich gerade ein Gewitter zusammenbraute. Ein Bauer, den sie um Erlaubnis gebeten hatten, in seiner Scheune schlafen zu dürfen, war wenig entgegenkommend, gab ihnen aber schließlich ein bißchen Stroh, das sie zur leerstehenden Dorfschule mitnahmen, wo sie mit Erlaubnis der Lehrersfrau die Nacht verbrachten. "Das Unwetter tobte während der ganzen Nacht mit Blitz und Donnerschlag, mit Sturm und Wolkenbruch und Hagelprasseln, als wenn die Welt untergehen sollte. Während die wandermüden Jungen fest schliefen, lag ich hellwach... Plötzlich überfiel mich der Gedanke: Jedem wanderwichtigen Ort in Tagesmarschabständen gleich Schule und Turnhalle auch eine gastliche Jugendherberge zur Einkehr für die wanderfrohe Jugend Deutschlands zur Verfügung zu stellen." Jener 26. August 1909 also war der eigentliche Geburtstag der deutschen Jugendherbergsbewegung - und der Jugendherbergsbewegung in aller Welt.